Von der Sonderschule zur Uni – Der Weg eines türkischen Jungen

  • Ismail Kul
  • dtj
  • Tue Feb 21st 2012

Zum ersten Mal in Deutschland hat ein Schüler den Sprung von der Sonderschule zum Gymnasium geschafft. Es ist ein Kölner Junge mit türkischem Hintergrund. Hier seine Geschichte.

Von der Sonderschule zum Gymnasium? Oder anders gefragt: Von der Sonderschule über das Gymnasium zum Studium – Geht das überhaupt? Ist das machbar? Hat das schon einer geschafft? Die Antwort: Ja. Ja, es ist möglich, wenn auch sehr schwierig. Ja, es gibt ein Beispiel für einen Bildungsweg von der Sonderschule zum Gymnasium und von dort zum Studium. Es ist ein Kölner, Jahrgang 1991. Genauer: Es ist ein türkischer Junge namens Orhan Selcuk Araol.

Araols Geschichte wurde von dem Journalisten Ziver Ermis vor kurzem in der Zeitung Zaman erzählt. Araols Einweisung in die Sonderschule erfolgte noch während der Grundschulzeit. Grund: Aufregung, Stottern beim Sprechen. Araol dürfte nicht der einzige Migrantenkind sein mit einer solch begründeten Einweisung in diese Schulart. Über 30.000 Sonderschüler mit türkischem Migrationshintergrund gibt es insgesamt.

Wie viele von ihnen wurden wohl mit solch einer banalen, fast schon kriminellen Begründung wohl noch am Anfang des Bildungswegs zu den Verlierern aussortiert? Darüber gibt es keine Statistik. Dass aber in Deutschland mit geistigem Potential so schlampig umgegangen wird, dass es Lehrer gibt, die so leichtfertig jungen Menschen Lebenschancen wegnehmen und dass es Eltern gibt, die so etwas zulassen, ist bedenklich.

Doch zurück zu Orhan Selcuk Araol. Araol ist der lebende Beweis dafür, das es auch die andere Seite der Medaille gibt; dass es in Deutschland möglich ist, seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er von der Sonderschule zum Gymnasium, und danach zur Universität führt. Wie sein Aufstieg begann, erzählt Araol so:

“Ich hatte gute Lehrerinnen und Lehrer in der Sonderschule. Ich habe die vierte Klasse nachgeholt und danach von der Sonderschule auf die Hauptschule gewechselt. In der 7. Klasse kam ich dann auf die Realschule. Die 10. Klasse schloss ich dann als einer der drei Jahrgangsbesten ab und wechselte zum Hansa-Gymnasium in meiner Heimatstadt Köln.”

Orhan Selcuk Araol hat vergangenes Jahr sein Abitur gemacht und wird an der Universität Maschinenbau studieren. Wenn man so will, ist der Fall von Orhan Selcuk Araol sowohl Schande, als auch Lob des deutschen Schulsystems. Schande insofern, dass ein geistig begabter Jugendlicher so leichtfertig in die Sonderschule abgeschoben werden kann. Lob, insofern, dass das Schulsystem aber auch den Aufstieg ermöglicht, sofern man sich Mühe gibt. Das Beispiel Orhan Selcuk Araol zeigt, dass dabei auch für unmöglich gehaltene Aufstiege möglich sind.

Sofern der Wille stimmt.

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